StolenMemory-Ausstellung in Spenge

Gefunden und Gesucht: #StolenMemory-Ausstellung über persönliche Gegenstände von KZ-Häftlingen eröffnet in Spenge

Die Arolsen Archives eröffnen am 23. Oktober 2020 um 11 Uhr die neue Freiluft-Wanderausstellung #StolenMemory in der Immanuel-Kant-Straße in Spenge (Parkplatz Schulzentrum). Im Zentrum stehen dabei sogenannte Effekten und deren Rückgabe an Angehörige der NS-Opfer. Mehr als 100 Effekten übergeben die Arolsen Archives pro Jahr an Familien ehemaliger Häftlinge, seit dem Start der Such-Kampagne 2016.

  • Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung im Rahmen der Fördermaßnahme „Kultur in ländlichen Räumen“ (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) durch 20 Städte in ganz Deutschland. Präsentiert wird die Ausstellung in einem ausklappbaren Übersee-Container.
  • Effekten sind persönliche Gegenstände, die den Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten abgenommen und bis heute aufbewahrt wurden.

Zum Konzept der #StolenMemory-Ausstellung gehören neben den Inhalten vor Ort und Website auch eine neu entwickelte Augmented-Reality-App mit Videoportraits einzelner Angehöriger und ihren Geschichten zu den Effekten.

#StolenMemory: ein Füller, eine Uhr oder ein paar Fotos
Effekten sind persönliche Gegenstände, die das Lagerpersonal Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten abnahmen. Dazu zählen unter anderem Füller, Eheringe, Uhren und auch Fotos. In den 1960er Jahren gingen die Effekten in den Bestand der Arolsen Archives über. Die Institution sieht es als ihre Aufgabe an, diesen persönlichen Besitz der Inhaftierten den Familien zurückzugeben. Noch immer bewahren die Arolsen Archives ungefähr 2.500 Effekten auf.

Das Ziel: Aufmerksamkeit und Unterstützung
Die Ausstellung zeigt neben Hintergrundinformationen zu den Arolsen Archives und Effekten zwei Themenbereiche: Unter der Überschrift „Gefunden“ geht es um Effekten, die bereits zurückgegeben werden konnten, während das Thema „Gesucht“ Effekte aufgreift, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder und jede kann bei der Rückgabe der Effekten unterstützen. Noch immer suchen die Arolsen Archives beispielsweise nach Angehörigen von Wilhelm Falke aus Eidinghausen.

Die Bedeutung der Effekten
„Viele Opfer der Nationalsozialisten hinterließen keine materiellen Spuren für ihre Familien, weil die Nationalsozialisten ihnen alles nahmen“ so Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. Die Rückgabe der Effekten sei für die Angehörigen deshalb oft sehr unerwartet: „Einige von ihnen wissen nichts oder nur wenig über diesen Teil der Lebensgeschichte ihrer Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten“. Umso wichtiger sei es, dass die Gegenstände in die Familien zurückkehrten.

Ausstellung findet ihre Fortsetzung in Spenge
„Angesichts zunehmend rechtsnational und rassistisch geprägtem Populismus halten wir – Mitarbeitende in den Migrationsfachdiensten des Kreises Herford – Erinnerungskultur an die NS-Verbrechen für besonders wichtig. Unser Anliegen ist es, gerade junge Menschen anzusprechen und ‚mitzunehmen‘, insbesondere im ländlichen Raum des Kreises Herford. Die Stadt Spenge mit seinem Schulzentrum schien uns dafür ein geeigneter Ort zu sein.“ So Regina Hibbeln, von der Integrationsagentur des Caritasverbandes für die Stadt und den Kreis Herford e.V.

Öffnungszeiten der #StolenMemory-Ausstellung in Spenge:
23. Oktober bis 04. November 2020
Täglich von 9 bis 17 Uhr
Immanuel-Kant-Straße – Parkplatz Schulzentrum, 32139 Spenge

Link zur Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

 

Über die Arolsen Archives
Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Seit 2016 veröffentlicht die Institution online eine Vielzahl an Originaldokumenten zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes aus Konzentrationslagern und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft. Mittlerweile handelt es sich um mehr als 26 Millionen Schriftstücke – Deportationslisten, Inhaftierungsdokumente, Registrierungen von Vermissten und viele weitere. Im April 2020 starten die Arolsen Archives das Crowdsourcing Projekt „Jeder Name zählt“. Innerhalb von sieben Wochen digitalisierten Freiwillige mehr als eine Million Namen von Deportationslisten, damit diese im Online-Archiv recherchierbar werden. Bis 2025 sollen alle Dokumente indiziert werden.

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