„aufgeschlossen“ – Künstlerinnen im Zellentrakt

Unter dem Titel „aufgeschlossen – Künstlerinnen im Zellentrakt“ zeigt das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken e.V. vom 5. September bis 15. Dezember 2019 in der
Gedenkstätte Zellentrakt, Rathausplatz 1, 32052 Herford Werke von sieben Künstlerinnen aus dem Raum Herford. In der von Elke Brunegraf kuratierten Ausstellung setzen sich die Künstlerinnen verschiedener Sparten mit der Gedenkstätte selbst und der Vernichtung jüdischen Kulturlebens im Raum Herford künstlerisch auseinander. Die heutige Gedenkstätte Zellentrakt, das frühere Herforder Polizeigefängnis, war von 1933 bis 1945 ein Ort der Verfolgung und Angst auch für viele jüdische Menschen aus Herford auf dem Weg in die Lager und den Tod und ist ein authentischer, erlebbarer Geschichts- und prägender außerschulischer Lern-Ort.

Susanne Albrecht installiert in einer Zelle eine Wand mit schwarzem Schleifpapier, darauf zu sehen sind Spuren eines abgeriebenen Steins. Begriffe wie Willkür, Ausgeliefertsein, Aussichtslosigkeit, sich aus dieser Lage zu befreien sind die Ausgangslage ihrer Arbeit „Die Wand vor Augen“. Die Keramikerin Katharina Hagemann fragt unter dem Titel „Vom Verschwinden und Erinnern“: Wie kann das Erinnern und Bewahren von Ereignissen, von Leben und von Dingen gelingen? Sie nimmt Spuren im Zellentrakt auf und tastet diese mit Frottagen und Tonabdrücken ab. Aus der Zelle heraus nimmt sie aber auch die Gegenwart und Spuren unserer Zeit auf.


Angelika Höger nimmt in ihre situativen Installation „Zeitspur“ das Spuren suchen, Spuren finden, Spuren legen und Spuren verwischen auf. Die Zeit wird im Raum Erinnerung und Erinnerung wird im Raum Zeit. Nina Koch zeigt ihre Skulptur „Trauernde“, setzt damit insbesondere auch den Frauen und den Kindern ein Denkmal und stellt auch Auswirkungen von Verfolgung, Folter, Freiheitsberaubung, Verletzung der Menschenrechte, Missachtung der Grundbedürfnisse eines Menschen und Krieg dar.

Alexandra Sonntag bearbeitet mit ihrer Installation „P4“ die Mechanismen der institutionalisierten Psychiatrie. Und will zeigen, welches Leid Sedierung, Isolation, Fixierung und „begrenzender“ Umgang sowie die Stigmatisierung im sozialen Umfeld für einen erkrankten Menschen bedeuten. Die Basis der Arbeit Gisela Wäschles „Sehen und nicht sehen“ sind Infos, Berichte und Erzählungen über die Zeit des deutschen Nationalsozialismus wie auch über die Aufarbeitung danach, die ihr aktuell – während der Ausstellungsvorbereitung – begegnet sind. Daraus entstand eine mehrteilige Erinnerungsarbeit, die diesen Prozess mit einbezieht.

Kristine Wedgwood-Benn zeigt unter dem Titel „„Es geht alles vorüber“ neun Figuren aus Papierschnitten nach Federzeichnungen von ruhenden Menschen als Wandinstallation, die das Ausgeliefertsein, Ausharren in der Situation des Eingesperrtseins und der Unsicherheit versinnbildlichen.

Im Begleitprogramm wird Angelika Höger am Mittwoch, 9. Oktober 2019 um 18 Uhr im Zellentrakt eine Performance mit dem Klangkunsttrio „Geplante Obsoleszenz“ zeigen. Alexandra Sonntag wird am 13. November 2019 um 19:00 Uhr im Zellentrakt ein/en Vortrag/Gespräch mit Dr. Wolf Müller zum Thema „Informierte Mündigkeit in der Psychiatrie“ anbieten.

Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 14.00–16.00 Uhr
und nach Vereinbarung geöffnet, weitere Informationen unter www.zellentrakt.de.

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